Ein Zweizylinder mit zwei Vergasern läuft nur rund, wenn beide Schieber gleich weit offen sind. Ist ein Zylinder schneller dran als der andere, schüttelt der Motor im Leerlauf, nimmt unsauber Gas an und läuft beim Rollen ruppig. Synchronisieren heißt: beide Vergaser so einstellen, dass sie im Standgas und beim Gasgeben dasselbe tun.
Die Schritte unten folgen dem Werkstatthandbuch der Moto Guzzi 850 Le Mans II mit zwei Dellorto PHF 36. Das Handbuch beschreibt zwei Wege: einen ohne Messgerät und einen mit Unterdruckmesser. Für andere Guzzi-Zweizylinder mit Dellorto läuft es genauso, die Werte deines Modells stehen in deinem Handbuch.
Woran du merkst, dass die Vergaser nicht synchron sind
- Der Motor schüttelt im Standgas spürbar mehr als sonst.
- Das Standgas schwankt oder fällt beim Auskuppeln ab.
- Beim leichten Gasgeben ruckelt der Motor, obwohl die Bedüsung stimmt.
- Die beiden Kerzen sehen unterschiedlich aus.
Bevor du synchronisierst, muss der Rest passen: Zündung, Ventilspiel, keine Falschluft an den Ansaugstutzen und die richtige Bedüsung auf beiden Seiten. Beim Synchronisieren gleichst du nur die Seiten aneinander an. Fehler an einem Zylinder behebt es nicht.
Vorbereitung: Spiel an den Seilzügen
Das Handbuch fängt bei den Zügen an, weil ein falsches Spiel jede Einstellung wieder verdirbt:
- Chokezug: Hebel in Fahrstellung. Zwischen Seilzughülle und Einstellschraube soll an beiden Vergasern etwa 3 mm Spiel sein.
- Gaszug: Gasgriff in Ruhestellung. Am Lenker soll an beiden Zügen 1 bis 1,5 mm Spiel sein. Sonst die Kontermutter lösen, die Einstellschraube nachstellen und wieder kontern.
Dann den Motor warm fahren. Synchronisiert wird nur bei Betriebstemperatur.
Ein Tipp aus den Guzzi-Foren für beide Wege: Dreh die Anschlagschrauben der Gasschieber nur, während du den Gasgriff ein kleines Stück öffnest. Liegt der Schieber auf der Schraubenspitze, drückt seine Feder ihn fest dagegen, und beim Drehen können Schraube und Schieber Schaden nehmen.
Ohne Messgerät: Abgasdruck und Zündaussetzer
Für diesen Weg brauchst du zwei Hände und am besten einen Helfer.
- Die Gemischschrauben beider Vergaser vorsichtig ganz hineindrehen und dann 1,5 Umdrehungen herausdrehen. So steht es für die Le Mans II mit PHF 36 im Handbuch.
- Bei laufendem Motor beide Hände gleichzeitig vor die Auspuffenden halten. Der Druck soll links und rechts gleich sein. Ist er es nicht, stellst du an einem Vergaser die Anschlagschraube des Gasschiebers nach: Beim Zylinder mit weniger Druck hineindrehen oder beim Zylinder mit mehr Druck herausdrehen. Das Standgas soll dabei bei etwa 1000 bis 1100 Umdrehungen bleiben.
- Mit den Gemischschrauben an jedem Zylinder den Punkt suchen, an dem der Motor am höchsten dreht. Danach das Standgas wieder einstellen.
- Abwechselnd ein Zündkabel abziehen. Der Motor soll in beiden Fällen nach gleich vielen Zündungen ausgehen. Läuft er auf einem Zylinder länger, drehst du die Anschlagschraube dieses Vergasers etwas heraus oder die des anderen etwas hinein.
- Standgas auf 1000 bis 1100 Umdrehungen bringen, dazu beide Anschlagschrauben um denselben Betrag drehen.
- Jetzt das Öffnen prüfen: Der Helfer dreht den Gasgriff langsam auf, du fühlst an beiden Auspuffenden, ob der Druck gleichzeitig steigt. Kommt ein Zylinder früher, stellst du an dessen Gaszug die Einstellschraube nach, bis beide gleichzeitig kommen.
Ehrlich gesagt: Viele erfahrene Guzzi-Schrauber halten diesen Weg für grob. Unterwegs oder als erste Einstellung taugt er. Für einen wirklich runden Motor brauchst du ein Messgerät.
Mit Unterdruckmesser
Das Handbuch beschreibt einen Unterdruckmesser mit zwei Quecksilbersäulen. Heute nimmt man dafür meist einen Synchrontester mit Uhren, Flüssigkeitssäulen oder digitaler Anzeige. Das Prinzip ist dasselbe: Du vergleichst den Unterdruck in beiden Ansaugstutzen.
Zeigeruhren ohne Dämpfung zappeln im Standgas mit jedem Ansaugtakt. Viele Guzzi-Fahrer arbeiten deshalb lieber mit Flüssigkeitssäulen oder einem elektronischen Tester. Bei jeder Anzeige liest du den Mittelwert ab, nicht die Spitzen. Prüf vorher, ob beide Anzeigen gleich messen: Häng sie über ein Y-Stück an denselben Anschluss.
- Seilzugspiel prüfen wie oben beschrieben.
- Die Gemischschrauben ganz hineindrehen und 1,5 Umdrehungen herausdrehen. Herausdrehen macht das Gemisch fetter, hineindrehen magerer.
- Die Verschlussschrauben an den Ansaugstutzen herausdrehen und die Schläuche des Messgeräts anschließen.
- Motor warm, Standgas auf 1000 bis 1100 Umdrehungen. Mit den Anschlagschrauben der Gasschieber stellst du ein, dass beide Anzeigen gleich stehen. Je näher die beiden zusammenkommen, desto höher steigt meist das Standgas. Regle es zwischendurch wieder herunter.
- Mit den Gemischschrauben das höchste Standgas suchen und die Anzeigen danach noch einmal prüfen. Wenn nötig den vorigen Schritt wiederholen. In den Guzzi-Foren wird empfohlen, die Gemischschraube danach noch eine Viertel- bis halbe Umdrehung weiter herauszudrehen. Dann ist das Standgas leicht fett.
- Langsam Gas geben und die Anzeigen beobachten. Fällt eine Seite beim Öffnen früher ab, zieht ihr Gaszug zuerst. Dann stellst du die Gaszüge am Lenker nach, bis beide gleichzeitig fallen und gleich bleiben.
- Schläuche abnehmen und die Verschlussschrauben mit ihren Dichtscheiben wieder eindrehen. Eine offene Bohrung am Ansaugstutzen ist Falschluft.
Auf den Moment des Öffnens kommt es an. Erfahrene Guzzi-Schrauber sagen: Wichtig ist der Gleichlauf direkt über dem Standgas, beim Anfahren an der Ampel. Kleine Unterschiede bei viel Gas und hoher Drehzahl merkt der Motor kaum. Ruckelt die Maschine beim Anfahren, ist oft genau dieser Übergang nicht synchron.
Welcher Weg ist der richtige?
| Ohne Messgerät | Mit Unterdruckmesser | |
|---|---|---|
| Werkzeug | Drehzahlmesser, Schraubendreher, ein Helfer | Synchrontester für zwei Zylinder |
| Genauigkeit | grob, eher eine Notlösung | genauer, vor allem beim Öffnen |
| Wann sinnvoll | unterwegs, wenn kein Tester dabei ist | nach Arbeiten am Vergaser, bei hartnäckigem Schütteln |
Ein Synchrontester lohnt sich, wenn du deine Maschine selbst pflegst. Er ist schnell angeschlossen, und du siehst sofort, ob sich etwas verstellt hat.
Häufige Stolpersteine
- Falschluft an einem Ansaugstutzen verfälscht die Anzeige. Erst abdichten, dann messen. Undichte Stellen findest du, wenn du bei laufendem Motor sparsam Bremsenreiniger an die Ansaugstutzen sprühst: Ändert sich die Drehzahl, zieht der Motor dort Luft. Nie auf den heißen Auspuff oder die Zündung sprühen.
- Zeigt eine Seite immer anders an, tausch nicht nur die Anzeigen, sondern auch die Schläuche. Ein rissiger oder weicher Schlauch verfälscht die Messung.
- Ein ausgeschlagener Gasschieber oder ein verschlissenes Gehäuse lässt sich nicht sauber synchronisieren.
- Unterschiedliche Bedüsung links und rechts ist kein Fehler, wenn sie ab Werk so vorgesehen ist. Die Ducati 600 Pantah hat zum Beispiel links eine andere Hauptdüse als rechts. Prüfe das in der Bedüsungsdatenbank.
- Nach dem Reinigen oder Überholen der Vergaser immer neu synchronisieren. Wie das Überholen geht, steht im Ratgeber Dellorto reinigen und überholen.
Woher die Angaben stammen
Zahlen und Abläufe stammen aus dem Werkstatthandbuch der Moto Guzzi 850 Le Mans II, Kapitel Vergaser. Die Praxistipps haben wir mit Erfahrungsberichten erfahrener Schrauber abgeglichen: auf thisoldtractor.com (Guzzi-Technikarchiv) und bei Motor-Talk.
Dein Motor läuft trotzdem nicht rund?
Dann liegt es oft an der Bedüsung oder an verschlissenen Teilen. Die Werte deines Modells und die passenden Teile findest du in der Bedüsungsdatenbank. Fragen beantworten wir gern.






